Newsletter – Juni

Liebe Unterstützer:innen der Jüdischen Stimme,

wir erleben in der letzten Zeit ein Momentum für unsere Sache, das wir lange nicht mehr gesehen haben. Unsere Reden werden in den sozialen Medien mehr als 10.000 abgerufen und wir bekommen viele Anfragen, bei Veranstaltungen zu sprechen. Lili Sommerfeld sprach z.B. in Kiel vor einer Woche, Nirit Sommerfeld in München und Iris Hefets in Berlin.

Unser Vorstandsmitglied Wieland Hoban nahm zusammen mit Michael Sappir aus der Gruppe Jüdisch-israelischer Dissidens Leipzig an einem Online-Gespräch teil.

Iris Hefets nahm auch Teil an einem Runden Tisch zur Lage in Israel-Palästina und der deutschen Verwicklung darin. Wer Zugang zu Instagram hat, kann auch ihr Gespräch mit Dr. Nahed Samour bei Natasha A.Kelly sehen.

Dazu wurde ein wichtiger Artikel unseres Vorstandsmitglieds Inna Michaeli vom Englischen (Why Germany gets it wrong about Antisemitism und Palestine) ins Deutsche übersetzt: Deutschlands Irrweg in Sachen Israel und Palästina.

In der Israel-Solidaritäts-Kungebung in Berlin, zu der alle Parteien geladen haben, nahmen nicht mehr als 1.000 Menschen teil. Cem Özdemir hat dort ein rassistisches Zitat von Golda Meir über “Araber” verwendet. Das kann man aus der Hilflosigkeit gegen diesen massiven unterstützenden Staatsapparat für ein Apartheidregime mit Satire beantworten; für uns ist Rassismus aber kein Grund zum Lachen, und wir rufen unsere Unterstützer:innen auf, unsere Petition zu unterschreiben: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSfXJhp3r9TYnMJGVK9iU8-B0Q_OeBQqfoBoxUkQDEh5EZG-5Q/viewform

Uns hat auch eine Nachricht des Geschichtsprofessors Amos Goldberg erreicht über Jawad Siyam, der in Ostjerusalem gegen die Übernahme des Silwan-Viertels durch Siedler kämpft. Ein Kurzfilm über Siyams Arbeit kann hier angeschaut werden, und es gibt auch die Möglichkeit, dafür zu spenden.

Nachdem das Dear White People Festival die Gruppe Palästina Spricht Freiburg eingeladen und dann aufgrund von Antisemitismusverdacht wieder ausgeladen hatte, haben wir deren Protest-Statement unterstützt. Daraufhin hat das Festival unser Vorstandsmitglied Inna Michaeli eingeladen, an einer Diskussion über das Thema teilzunehmen. Ihre wohlbegründete Absage kann hier gelesen werden.

Ein weiterer Cancel-Fall: Unsere gemeinsame Veranstaltung mit The Left Berlin und Palästina Spricht, Palästina: Möglichkeiten und Grenzen des Diskurses, sollte ursprünglich als Teil des Festivals Offenes Neukölln stattfinden. Warum das nun nicht der Fall sein wird, ist hier zu lesen. Wieder sollen linke jüdische und palästinensische Menschen zum Schweigen gebracht werden – aber es findet trotzdem statt.


Update nach Versand des Newsletters:

Die Organisatoren des Dear White People Festivals haben ihre Entscheidung revidiert, wie sie auf ihre Facebook-Seite auch veröffentlicht haben:

Nach der Ausladung von “Palästina Spricht Freiburg” von unserem Festival kam es zu vielen Reaktionen von unterschiedlich positionierten Akteur*innen, die uns als Kuratorium von “Dear White People…” noch einmal verdeutlicht haben, wie gravierend die Diskussionen um die israelische Besatzung im Westjordanland/Gaza, das Existenzrecht Israels als auch von Palästina sind. Diese vielen Stimmen, besonders aber unser gestriger Austausch mit Vertretern von “Palästina Spricht Freiburg,” haben uns als Kuratorium von “Dear White People…” zu nachfolgender Positionierung gebracht:
Mit der Ausladung von “Palästina Spricht Freiburg” haben wir anti-palästinensischen Rassismus reproduziert, den Aktivist*innen von “Palästina Spricht Freiburg” damit sehr geschadet und diese verletzt. Dafür bitten wir um Entschuldigung bei “Palästina Spricht Freiburg” und allen palästinensischen Stimmen, die damit gesilenced wurden. Anti-palästinensischer Rassismus besteht darin, die Geschichte und das anhaltende Leiden des palästinensischen Volkes zu leugnen. Er zielt auch darauf ab, diejenigen, die Israels Umgang mit den Palästinenser*innen als kritisch ansehen, als antisemitisch darzustellen. Für weitere Ausführungen und Explizierungen, verweist “Palästina Spricht Freiburg” auf folgende Quellen: 3, Arab Canadian Lawyers Association, Independent Jewish Voices Canada, und British Columbia Civil Liberties Association 2020.
Zum Hintergrund:
Der Ausladung von “Palästina Spricht Freiburg” ging teilweise massive Kritik voran, die vor allem auf dem Vorwurf beruhte, “Palästina Spricht Freiburg” sei antisemitisch. Für uns als Kuratorium wogen die jüdischen Stimmen, die diese Kritik äußerten, besonders schwer. Gefolgt von dieser Kritik gab es Drohungen, uns Fördermittel zu streichen, sollten wir an einer Kooperation mit “Palästina Spricht Freiburg” festhalten. Unter diesem starken Druck haben wir entschieden, die Gruppe wieder auszuladen. Das betrachten wir heute als Fehler. Der Antisemitismusvorwurf, mit dem “Palästina Spricht Freiburg” konfrontiert wurde, ist für uns an keiner Stelle ersichtlich geworden.
Uns wurde in den letzten Wochen bewusst, dass nicht nur eine Sichtweise auf “Palästina Spricht Freiburg” existiert, sondern viele. Uns erreichten etliche jüdische Stimmen, die darauf aufmerksam machten, dass sie ebenfalls Betroffene von Antisemitismus seien, den Vorwurf an “Palästina Spricht Freiburg” jedoch nicht teilen und im Gegenteil darauf hinwiesen, dass dieser Vorwurf dem politischen Zwecke dienen würde, palästinensische Stimmen strukturell zu silencen. Die “Jüdische Stimme für gerechten Frieden im Nahost” hat Formen der Instrumentalisierung in ihrem offenen Berief klar dargestellt: https://tinyurl.com/34sjd7zw
Die Drohung von einigen Förderern und Kooperationspartner*innen, ihre Gelder von unserem Festival abzuziehen, steht weiterhin im Raum. Da wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht wissen, wie viel Gelder abgezogen werden, rufen wir die Referent*innen und Künstler*innen des Festivals auf, solidarisch mit “Palästina Spricht Freiburg” zu sein und, sollten tatsächlich Fördergelder gekürzt werden, gegebenenfalls auf ihr Honorar oder Teile ihres Honorars zu verzichten.
“Dear White People…” – gerade auch unter dem diesjährigen Motto LET’S BREAK THE SILENCE – zielt darauf ab, möglichst vielen marginalisierten Stimmen Raum zu geben; wir wollen Dialog und kein Silencing, auch weil wir davon überzeugt sind, dass dies der einzige Weg in eine diskriminierunsgfreiere Welt ist.
Wir wollen in Freiheit und ohne Diskriminierung leben und lassen uns nicht von weißen deutschen hegemonialen Bestrebungen, Schuld zu tilgen, in einseitig und dominante Diskurse drängen. Wir lassen uns weder spalten noch hören wir auf im Dialog zu bleiben!
Das Kuratorium von “Dear White People…”