Keine Ehrung einer Rassistin!

Die Historiker Ralf Balke und Julien Reitzenstein fordern derzeit dazu auf, die Pacelliallee in Berlin-Dahlem umzubenennen. Das ist gut und richtig, denn Eugenio Pacelli ist besser bekannt als Papst Pius der XII. Der Straßenname ehrt somit eine Person, die in ihrer Machtposition im “dritten Reich” versagt hat darin, Minderheiten vor der rassistisch motivierten Vernichtung der Nationalsozialisten zu schützen.

Leider schlagen nun die o.g. Historiker vor, die Allee nach der ehemaligen israelischen Primärministerin Golda Meir zu nennen, die für ihre rassistische und antiarabische Politik bekannt ist…

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Keine Ehrung einer Rassistin!

Die Historiker Ralf Balke und Julien Reitzenstein fordern derzeit dazu auf, die Pacelliallee in Berlin-Dahlem umzubenennen. Das ist gut und richtig, denn Eugenio Pacelli ist besser bekannt als Papst Pius der XII. Der Straßenname ehrt somit eine Person, die in ihrer Machtposition im “dritten Reich” versagt hat darin, Minderheiten vor der rassistisch motivierten Vernichtung der Nationalsozialisten zu schützen.

Leider schlagen nun die o.g. Historiker vor, die Allee nach der ehemaligen israelischen Primärministerin Golda Meir zu nennen, die für ihre rassistische und antiarabische Politik bekannt ist:

Neben ihrer antiarabischen und antimuslimischen Politik, unter der natürlich in erster Linie Palästinenser*innen leiden mussten, vertrat sie diese Linie auch gegenüber arabischen Juden, sowohl in Israel als auch im arabischen Ausland.

Erst nach monatelangen Demonstrationen und Hungerstreiks gegen die Unterdrückung und strategisch beabsichtigte Verarmung der Misrachi-Juden (Juden, die aus arabischen und muslimischen Ländern stammen) traf sie als Primierministerin im April 1971 die Anführer der israelischen Black Panthers, eine Vereinigung in der sich Misrachi-Juden nach afroamerikanischem Vorbild organisiert hatten. Die Regierung Meir hatte bis dahin versucht die Proteste zu unterdrücken, setzte israelische Sicherheitsdienste gegen sie ein. Aus dem Gesprächsprotokoll des Treffens geht hervor, dass sie ihre kollektiven Forderungen nach Behausung, Bildung und Gleichstellung ignorierte und sie stattdessen zu ihrem Privatleben befragte. Am Ende versprach sie etwas dagegen zu unternehmen, wenn die Anführer nicht mit der Presse sprechen würden. Drei Tage danach teilte sie jedoch der Presse mit, die Misrachi-Juden wären „nicht nett“ gewesen. Dies führte zu noch heftigeren Protesten mit hunderten Verletzten und gilt bis heute als feststehender Begriff in Israel um Misrachi-Juden zu diffamieren. Tatsächlich wurde 2011 eine Straße in Jerusalem von Misrachi-Aktivist*innen in „They’re not nice-Alley“ umbenannt, um an ihre fortlaufende Diskriminierung zu erinnern.

Am Ende jenes Gesprächs offenbarten sich weitere rassistische Denkstrukturen von Golda Meir: Reuven Abargel, einer der Anführer sagte ihr: „Ich habe gehört, sie sagten den WIZO-Frauen, dass ein Jude, der nicht jiddisch spricht, ein Halbjude ist“. Meir antwortete: „Das habe ich nie gesagt. Ich sagte, dass Juden, die hierher kommen, mehr Tradition und Kultur vermittelt bekommen müssen, als sie diese in ihrer Herkunftsländern hatten“. Damit perpetuierte sie die Idee einer weiß-jüdischen „Leitkultur“, die ausschließlich auf einer ashkenasisch-europäischer Tradition und selbst betitelten „Hochkultur“ fußt und welche die Kultur der Juden aus Marokko, Tunesien, Jemen oder dem Irak als minderwertig ansieht.

Als ebenso problematisch gilt heute der Fall um Joe Golan, ein Berater des jüdischen Weltkongresses, der internationalen Vereinigung von jüdischen Gemeinschaften und Organisationen, welche die politischen Belange von Juden in der Diaspora vertritt. Kurz vor dem Abzug der französischen Kolonialmächte aus Algerien 1962 berichtete Golan Golda Meir von seinem Treffen mit einem FLN Anführer (Nationale Befreiungsfront Algeriens) in Tunesien. Dort erfuhr er, dass die algerischen Juden in Lebensgefahr seien, weil sie Teil des französischen Kolonialsystems waren und von den Franzosen für Folter und Verhöre gegen die muslimischen Algerier eingesetzt wurden. „Wir können ihre Sicherheit nicht garantieren und sie vor der Wut des Mobs nicht schützen“, sagte der FLN Anführer. Joe Golan wollte – zum damaligen Zeitpunkt erst 16 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges – die algerischen Juden vorwarnen. Sein Vorgesetzter im jüdischen Weltkongress war damals übrigens Gerhart Riegner, ein gebürtiger Berliner und Jurist, der das sogenannte Riegner-Telegramm verfasste, in dem zum ersten Mal die Nachricht über dem geplantem Judengenozid an die Alliierten übermittelt wurde.

Golda Meir aber tadelte Joe Golan und sorgte sogar dafür, dass ihm sein israelischer Pass entzogen wurde. Sie sagte, er hätte dieses Treffen nie initiieren dürfen und wies ihn auf einen Interessenkonflikt mit Israel hin, denn Frankreich schickte Waffen an Israel und wollte nicht, dass Juden Algerien verlassen. Golan schrieb danach einen Bericht über das Treffen mit dem FLN Anführer, den er dem Oberrabbiner von Algerien heimlich zukommen ließ. Der Oberrabbiner leitete daraufhin die Flucht von vielen Juden aus Algerien nach Frankreich ein.

Die Liste der rassistischen Aussagen und Handlungen Golda Meirs lässt sich problemlos erweitern. Es wäre fatal, wenn die Allee zwar nicht mehr einen Dulder des nationalsozialistischen Regimes im Namen ehren würde, aber dafür eine Politikerin, die systematisch zur Unterdrückung arabischer Menschen, ob Juden oder Muslime, beigetragen hat. Anti-arabischer Rassismus ist niemals eine passable Alternative zu Antisemitismus!

Es gibt genug andere jüdische Frauen, die diese Ehrung viel eher verdient hätten. Für Vorschläge stehen wir gerne zur Verfügung.