Bank für Sozialwirtschaft: Sie selbst jedoch haben gegen Ihre eigenen Prinzipien verstoßen

Hat die JS die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und das internationale Völkerrecht verletzt? Hat sie gegen die jüdisch-christliche Wertetradition oder gegen ein tolerantes Miteinander der großen Weltreligionen verstoßen? Stellt sie sich gegen die Aussöhnung zwischen Deutschland und Menschen jüdischen Glaubens?

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An den Vorstand der Bank für Sozialwirtschaft                                                               11.7.2019

 

Sehr geehrter Herr Professor Schmitz,

sehr geehrter Herr Kahleis,

sehr geehrter Herr Luckner,

sehr geehrte Frau Rüth,

sehr geehrte Damen und Herren,

manchmal nützen die besten Abhandlungen, auch philosophische, nichts, wenn es einfach darum geht, als „neutrales Geldinstitut“ klar zu reagieren. Haben Sie bei der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost (JS) finanztechnische Verfehlungen festgestellt?

Vor allem nützen politische Empfehlungen nichts, wenn diese darauf ausgerichtet sind, auf Sie Zwang auszuüben, gegen Ihren eigenen Wertekodex zu verstoßen. So schreiben Sie in Ihrer Grundsatzposition: „Die BFS ist ein politisch neutrales Geldinstitut und sieht sich dem Prinzip der Meinungsfreiheit verpflichtet. Sie kann und will nicht kontrollieren, was einzelne Mitglieder bzw. Mitglieder von Organisationen, zu denen eine Geschäftsbeziehung besteht, politisch denken oder vertreten.“ (Presseninformationen, Statement vom 20.6.2019)

Hat die JS die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und das internationale Völkerrecht verletzt? Hat sie gegen die jüdisch-christliche Wertetradition oder gegen ein tolerantes Miteinander der großen Weltreligionen verstoßen? Stellt sie sich gegen die Aussöhnung zwischen Deutschland und Menschen jüdischen Glaubens? Erkennt sie das Existenzrecht Israels nicht an?

Sie haben also in der JS einen Kunden, der gegen banktechnische Regularien und gegen Ihren Wertekodex nicht verstoßen hat.

Sie selbst jedoch haben gegen Ihre eigenen Prinzipien verstoßen, die auch im Code of Conduct Ihrer Bank aufgeführt sind: Integrität, Fairness, Ehrlichkeit. Vertragstreue, Verantwortung und weitere. Zeigen Sie Verantwortung durch Selektion, d.h. dadurch, dass Sie „andere“ Menschen, seien es die Juden der JS oder Palästinenser vom Tisch wischen? Treten Sie ein für ein tolerantes Miteinander der großen Weltreligionen, wenn Sie einen Teil dieser Religionsangehörigen ausschließen? Auch wenn alle drei Weltreligionen des Nahen Ostens große Verbrechen begangen haben, enthalten sie doch einen humanen Wesenskern. Wollen Sie diesen dem Islam absprechen?

 Verlassen wir die Philosophie und kehren zurück zur Realität von Banken und Geschäftsbeziehungen, die Sie „primär an rechtlichen und wirtschaftlichen Kriterien“ orientieren. Wirtschaftlich wird die JS für Sie kaum von Bedeutung sein. Hat die JS einen „Konflikt mit der Unternehmensführung“ verursacht oder wurde er von außen an Sie herangetragen?

 Sie schreiben selbst in Ihrer Presseinformation vom 20.6.2019 wie massiv der Druck von außen war,  wie er sich nach dem Bundestagsbeschluss vom Mai 2019 zugespitzt hat und wie Sie „immer stärker … zu einer Plattform für einen innerjüdischen Konflikt“ wurden. Als Bank sahen Sie sich nicht als geeigneten „Austragungsort einer politischen Kampagne.“

 Wie konnten Sie annehmen, von einem wissenschaftlichen Institut erklärt zu bekommen, was Antisemitismus „objektiv“ ist (Statement vom 20.6.2019)? Sie waren nicht so naiv, das anzunehmen, aber Sie wollten einen Persilschein. Sie wollten sich unter eine höhere Instanz stellen, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen, mit Selbstbewusstsein, Klarheit und Mut, den es leider zur Zeit und in diesem Fall braucht. Sie wurden zum Jasager. Sie sagen ja zur israelischen Politik, zu ihrer Jahrzehnte andauernden Besatzungspolitik (unter eigener Militärgerichtsbarkeit, so was haben wir in Deutschland nicht, unsere Gesetze gelten für alle Menschen gleich), zu ihren  Menschenrechtsverletzungen, zur Erschießung und Inhaftierung von Kindern und so weiter – Sie wissen das. Wenn wir eine AfD-Regierung hätten, würden Sie entsprechend Ihren Unternehmensprinzipien Kritik üben, der israelischen Regierung gegenüber tun Sie das nicht. Eine Freundschaft lebt nicht vom Ja-Sagen, sondern von Ehrlichkeit. Der aufrechte Gang.

 Sie sind in die Falle getappt, haben ausgesondert und sind dem „innerjüdischen Konflikt“ doch nicht entkommen. Die JS ist/war seit Jahren ein korrekter Kunde von Ihnen, und deren Anliegen, eine Stimme zu sein für gerechten Frieden in Nahost, ist ein höchst anerkennenswertes ethisches Anliegen, das Ihrem Wertekodex entspricht.

 Urteile fällen unter Druck, nur einer Seite Recht geben, war falsch.

Das Richtige steht in Ihrem Wertekodex.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 Ursula Leppert

ehemalige Lehrerin an einem Gymnasium in Dachau, u.a. für Geschichte