Ein Brief pro Tag: Bank für Sozialwirtschaft macht sich erneut schuldig

Wer aber aus der Vergangenheit gelernt hat und die richtigen Konsequenzen ziehen will, ist zur Kritik an der völkerrechtswidrigen israelischen Vertreibungs-, Verdrängungs-, Unterdrückungs-, Enteignungs-, Separierungs-, Strangulierungs-, Besatzungs- und Annexionspolitik quasi verpflichtet. Wer bei Unrecht und bei der Anwendung von Gewalt wegschaut und schweigt, hat offenbar etwas nicht ganz richtig verstanden und macht sich erneut schuldig.

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28.6.19

Sehr geehrter Herr Dr. Matthias Berger,

jüdische Personen und Organisation sind nicht sakrosankt. Auch in Deutschland. Das hat sich offenbar noch nicht überall rumgesprochen. Vor allem nicht bei Menschen die, wegen der an Juden begangenen Ungeheuerlichkeiten, im Fall Israel gern beide Augen zudrücken oder sich nicht trauen den Mund aufzumachen.

Diese Einstellung ist entweder von Schuldgefühlen oder dem Impuls zur Wiedergutmachung bestimmt und von daher nicht nur verständlich, sondern auch sympathisch. Wer aber aus der Vergangenheit gelernt hat und die richtigen Konsequenzen ziehen will, ist zur Kritik an der völkerrechtswidrigen israelischen Vertreibungs-, Verdrängungs-, Unterdrückungs-, Enteignungs-, Separierungs-, Strangulierungs-, Besatzungs- und Annexionspolitik quasi verpflichtet. Wer bei Unrecht und bei der Anwendung von Gewalt wegschaut und schweigt, hat offenbar etwas nicht ganz richtig verstanden und macht sich erneut schuldig.

In den vergangenen drei Jahren hat die von Ihnen vertretene Bank, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, mehrfach Maßnahmen gegen den Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ ergriffen. Jetzt wurde das Konto dieser Organisation seitens der BfS erneut gekündigt, ohne zuvor mit den Betroffenen darüber gesprochen zu haben. Was für ein Stil?

Man könnte über Ihren Umgang mit Ihren Kunden hinweg sehen, wenn die Angelegenheit nicht vor allem eine inhaltliche Frage wäre. Bei allem Verständnis für die Zwänge und dem Druck, denen sich die Leitung Ihrer Bank möglicher Weise ausgesetzt sieht – wir halten Ihr Vorgehen für fatal. Als Fachbank haben Sie den Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit auf den Bereich Sozial- und Gesundheitswirtschaft gelegt und versuchen sich sicher auch aus diesem Grund erklärter Maßen politisch neutral zu verhalten. Das Vorgehen gegen die „Jüdische Stimme“ ist aber alles andere als neutral. Der Abbruch der Geschäftsbeziehungen seitens einer deutschen Bank zu einer jüdischen Organisation, die sich vornehmlich humanistischen Zielen widmet und für die Einhaltung der Menschenrechte eintritt, ist ein politisches Zeichen, das ungute Erinnerungen weckt.

Wir verbleiben in der Hoffnung, dass die Diskriminierung von Juden in dem neuen Deutschland nicht erneut um sich greift und dass die Leitung der BfS ihre Entscheidung noch einmal überprüft und rückgängig macht.

Mit freundlichen Grüßen
Karin Hamacher
Volker O ´Barden
Hünerbergweg 1b
79539 Lörrach
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