Offener Brief an DGB-Chef Michael Sommer: Gib den Preis zurück

Sehr geehrter Herr Sommer,

es erscheint mir unglaublich, aber in Zukunft wird man wohl ohne zu lügen behaupten können:

“DGB-Chef Sommer bandelt mit Rassisten an” !

Das kann kaum in Ihrem Interesse sein. In wessen Interesse ist es aber dann?

Ich verweis in diesem Zusammenhang auf das Protestschreiben deutscher Juden, anlässlich

des s.g. Israel-Tages in Berlin.

 

Dass sich der DGB seiner historischen Verantwortung gegenüber Juden stellt, das war und ist

richtig und kann nur mit allen Kräften unterstützt werden. Dass Sie jedoch einem Staat der zahllose UN-Resolutionen mit Füßen tritt, der den Fischern Gazas die für den ganzen Streifen so lebensnotwendige Fischerei vor Gazas Küsten verbietet, die Fischer sogar beschießt, der den Bauern des Gaza-Streifens das

Arbeiten auf ihren Feldern durch regelmäßiges Beschießen unmöglich macht, einem Staat, der die auf

Dauer angelegte eigenständige Entwicklung der palästinensischen Wirtschaft be-, ja verhindert, erlauben,

Sie, den deutschen Gewerkschaftsfüher zu ehren, das ist (bei Annahme dieser “Ehrung”) mit Komplizentum

bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichzusetzen (siehe den “Goldstone Bericht” der UN anlässlich

des Massakers “Gegossenes Blei”).

 

Ich fordere Sie darum auf, um größeren Rufschaden sowohl Ihrer Person, als auch des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu verhindern, Ihre Ehrung anlässlich des Israel-Kogresses in Berlin unverzüglich

zurückzugeben.

 

Solidarität mit Unterdrückten und Entrechteten, ganz besonders wenn es sich um die arbeitende

Bevölkerung handelt, war immer ein hohes, von den deutschen Gewerkschaften geschütztes Gut.

 

Die Annahme der Ehrung durch einen Apartheid- und Unterdrückerstaates kommt der Entehrung des

‘Geehrten” gleich und widerspricht allen guten Sitten und Rechtsgefühl.

 

Es liegt an Ihnen, sehr geehrter Herr Sommer, ob Sie mit der Belastung der Komplizenschaft mit

Rassisten in die Geschichte eingehen wollen. Bitte vertun Sie nicht die Chance, dies zu verhindern.

Noch ist es nicht zu spät. Ihr Zeichen würde auch von den Regierenden Israels (in der Tat sicherlich

kaum Ihrem, meinem, politischen Spektrum nahestehend, siehe den gerade “Rehabilitierten” ehem.

Außenminister Avigdor Lieberman) richtig verstanden werden: als Ruf zur Umkehr, womit, aber nur

damit, neue Seiten der freundschaftlichen Zusammenarbeit aufgeschlagen würden.

Mit besten Grüßen

Günter Schenk
1a rue des Aveugles
F-67000 Strasbourg
– membre du Collectif Judéo Arabe et Citoyen pour la Palestine, Strasbourg

– Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD)

(ehemaliger Repräsentant eines führenden europäischen Wissenschaftsverlages)