Stellungnahme zu dem Kommentar „Kein Zutritt für Juden“ von Eiken Bruhn

Stellungnahme des Vorstandes der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ zu dem Kommentar „Kein Zutritt für Juden“ von Eiken Bruhn in der taz vom 18.4.2013

(Der Artikel bezog sich auf eine Veranstaltung des Bremer „Gesprächskreises Nahost“, bei der die Hamburger Journalistin Susann Witt-Stahl zum Thema „Der Antisemitismus-Vorwurf als ideologische Waffe“ sprach. Angeblich wurden zwei Besucher abgewiesen, weil sie „Juden“ seien.)

Beim Lesen des Artikels in der taz („Kein Zutritt für Juden“, 18.4.2013) muss man sich fragen, ob man wirklich die taz oder die BILD-Zeitung liest. Die Überschrift verspricht einen Skandal, inhaltlich wird aber klar, dass die beiden potentiellen Besucher der Bremer Veranstaltung in der Villa Ichon nicht als Juden abgewiesen wurden, sondern als Besucher, weil die Räumlichkeiten in der Villa Ichon völlig überfüllt waren.

Es ist verwunderlich, dass so ein Artikel in der taz erschienen ist. Bremer „antideutsche“ Aktivisten haben Iris Hefets, Mitglied der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“, in übler Weise denunziert, nachdem sie einen Artikel in der taz veröffentlicht hatte. Dieser Artikel stieß auch bei der Jüdischen Gemeinde in Berlin auf Ablehnung. Deshalb versuchten die „Antideutschen“, einen Vortrag von ihr in Bremen im Jahr 2010 im Voraus zu verhindern. Da ihnen dies aber nicht gelang, störten sie die Vortragsveranstaltung massiv. Der Artikel von Iris Hefets war dann Anlass zu einer Veranstaltung in Berlin, an der auch die taz- Chefredakteurin teilnahm. Sie wurde laut einem Bericht der taz dort bespuckt. Aus der Bremer Veranstaltung mit Iris Hefets wurde von den „Antideutschen“ ein falsches Zitat von ihr weitergegeben, das dann die damalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Lala Süsskind verbreitete. Iris Hefets erstattete Anzeige gegen Frau Süsskind. Sie hatte, wie die taz selbst berichtete, Erfolg mit ihrer Klage. Im taz-Archiv ist die Berichterstattung über den Prozess sicher noch vorhanden und für jeden Redakteur zugänglich. Mitglieder der Jüdischen Stimme erlebten immer wieder Störungen und Provokationen seitens der „Antideutschen“ in Bremen und Halle. Dies sind Hochburgen der „Antideutschen“.Auch in Hamburg und Berlin wurden die Veranstaltungen des israelischen Historikers Prof. Moshe Zuckermann von „Antideutschen“ gestört, die immer nach derselben Methode vorgehen: Zuerst versuchen sie, Juden, die eine andere Position vertreten, nicht zu Wort kommen zu lassen. Haben sie damit keinen Erfolg, stören sie die Veranstaltungen massiv und versuchen sie als „antisemitisch“ hinzustellen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Sie stellen falsche Behauptungen auf, provozieren, oder behaupten, dass Juden von der Veranstaltung ausgeschlossen worden wären. Auf eine solche Inszenierung ist offenbar auch die taz hereingefallen. Die Autorin des Artikels erklärt nicht, wie die beiden Besucher der Bremer Veranstaltung als Juden erkannt wurden. Man fragt sich, wieso Zeitungen wie BILD und jetzt auch die taz so schnell damit bei der Sache sind, solche Diffamierungen ohne jegliche Überprüfung und mit solcher Verachtung der Gegenseite zu veröffentlichen. Solche Artikel konnte man in der Vergangenheit nur in der Presse des Axel Springer Verlages lesen, jetzt leider auch in der taz.

Prof. Dr. Rolf Verleger, ebenfalls Mitglied der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ hat die Kündigung seiner Mitgliedschaft in der taz-Verlagsgenossenschaft vom 21.April 2013 wie folgt begründet: „…..journalistische Ausgewogenheit kann in meinen Augen nicht heißen, dass man neben vernünftigen Artikeln ungehemmt Hetzartikel schreiben kann. Vordergründig ist der Artikel von Eiken Bruhn ein Hetzartikel gegen die Bremer Veranstalter und gegen die Linke. In seiner tieferen Wirkung ist der Artikel ein Hetzartikel gegen das Judentum. Denn er behauptet, dass diejenigen, die Israels Apartheids- und Verdrängungspolitik angreifen, damit das Judentum angreifen, und setzt damit das Judentum mit dieser Politik gleich. Das möchte ich nicht mitmachen.“

Berlin, 25.4.2013