Öffentlicher Dank an Judith Butler / Pressemitteilung

10. September, 2012

 

Wir gratulieren Judith Butler zum Erhalt des Theodor-W.-Adorno Preises. Was für eine Ehre – für den Theodor-W.-Adorno Preis der Stadt Frankfurt, für die Tradition der kritischen Theorie, für die widerständigen Denktraditionen in Deutschland, und, ja, für uns Wenigen, die in der Jüdischen Stimme dem Vergessen der kosmopolitischen jüdischen Traditionen entgegenarbeiten, dass ausgerechnet Judith Butler, die Philosophin, die widerständige jüdische Denkerin, den Theodor-W.-Adorno-Preis 2012 der Stadt Frankfurt erhält. Sie sagt es laut, ihre Stimme ist stark und sie trägt: „Es ist von größter Bedeutung, dass die ethischen Traditionen des Judentums für unsere Zeit wieder gewürdigt und wiederbelebt werden – sie stehen für die Werte der Diaspora, die Kämpfe um soziale Gerechtigkeit und den immer bedeutsameren jüdischen Wert, die Welt zu reparieren (Tikkun Olam)‘.“ Unkritische Staatstreue und blinder Gehorsam zählten in den jüdischen Überlieferungen nie zu den gefeierten Tugenden.

Die öffentliche Anfeindung der jüdischen Denkerin Judith Butler, die es wagt, gerade in ihrer Eigenschaft als Preisträgerin des Theodor-W.-Adorno Preises der Radikalität der jüdischen ethischen Denktraditionen auch im Kontext des Nahen Ostens treu zu sein, zeigt uns nicht zuletzt auch, wie sehr wir mit dem Erinnern und Weiterführen kosmopolitischer kritischer Denktraditionen doch immer wieder am Anfang stehen, wie sehr sich die damit verbundenen Haltungen zurückgezogen haben, auch wenn sie verfügbar scheinen.

Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost