Nachruf für Juliano Mer-Khamis
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Nachruf für Juliano Mer-Khamis




Am Montag, den 4. April, wurde unser guter Freund, der politische Aktivist und vielseitige kreative Künstler Juliano Mer- Khamis in Jenin ermordet. Der israelisch-palästinensische Schauspieler war Regisseur und Direktor des Jeniner Freedom Theatre. Vor allem war er ein Visionär, der eine freie und friedfertige Zukunft nicht nur erträumte, sondern Schritt für Schritt aufbaute.


Tiefe Trauer über den unwiederbringlichen Verlust mischt sich mit Entsetzen und Zorn über diesen heimtückischen Mordanschlag.



Nachdem das von seiner Mutter Arna Mer 1993 gegründete erste Freedom Theatre 2002 durch die israelische Armee vollständig zerstört worden war, konnte Juliano es im Jahre 2006 mit internationaler Unterstützung unzähliger Freunde wieder eröffnen. Mit Mitteln der Kunst wurde nicht nur ein Zufluchtsort geschaffen; viele Freiräume entstanden für individuelle, soziale und politische Veränderungen:


Kinder und Jugendliche des Flüchtlingslagers in Jenin lernen in vielfältigen Aktivitäten Selbstvertrauen aufzubauen und Freiheiten auszuleben, die sie befähigen, ihre Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen. Unter den repressiven Bedingungen der israelischen Okkupation gelingt es vielen der 3000 Kinder im Lager, ihre oftmals traumatischen Erfahrungen gemeinsam zu bearbeiten und Phantasien von anderen, friedvollen Lebensperspektiven zu entfalten.


Seit 2008 ist dem Freedom Theatre die erste palästinensische Theaterschule im Norden der Westbank angegliedert, in der junge Palästinenserinnen und Palästinenser von internationalen Theater- und Performancekünstlern ausgebildet werden.


Die für dieses Frühjahr geplante Eröffnung eines vom Freedom Theatre gebauten ersten Theaters in Jenin-Stadt  - das große Projekt, an dem Juliano Mer-Khamis seit 2009 fieberhaft arbeitete – wird er nun nicht mehr erleben.


Juliano Mer-Khamis kannte beide Gesellschaften von innen, die israelische und die palästinensische, und wurde nicht müde, den Grad ihrer beider Zerstörung anzumahnen. In der kolonialen Besatzung palästinensischen Lands sah er Ursprung und Ursachen für die in beiden Gesellschaften vorherrschende strukturelle Gewalt. Dass jene zur Normalität geworden war, machte ihm am meisten zu schaffen. Gleichzeitig war ihm klar, dass alle Befreiung von Unterdrückung, ganz gleich welcher Form, freie und souveräne Menschen braucht. Überkommene Strukturen auch in der palästinensischen Gesellschaft, bornierte Geschlechterverhältnisse, religiös begründete Instrumente der gesellschaftlichen Kontrolle, Maßregelung und Repressionen thematisierte er auch hier vor dem Hintergrund der Besatzungsgewalt. Juliano war davon überzeugt, das die nächste Erhebung in Palästina eine “Kulturintifada” sein müsse. Auf dieses Ziel wirkte er mit seinem künstlerischen Können und seiner ganzen politischen Kraft hin.


Juliano Mer-Khamis war in beiden Gesellschaften ein Unbequemer. Seine Mahnungen und Visionen waren sowohl geachtet und respektiert als auch gleichermaßen umstritten und argwöhnisch missbilligt.


Wir wussten stets um die Gefahren, denen sich Juliano durch seine politisch-künstlerische Arbeit aussetzte. Er selbst kannte sie am besten. Im Dickicht starrender Waffen und dröhnender Gewalt bahnte er sich einen Weg und schuf für uns alle Freiheitsräume, die heute mehr denn je und für alle Zeiten “The Freedom Theatre” heißen werden.


Juliano wird uns als Freund und politischer Künstler sehr fehlen. Unsere Gedanken sind jetzt bei seiner leiblichen und künstlerischen Familie. Unser Engagement gilt einer gedeihlichen Zukunft für das Freedom Theatre und dem Ziel der Freiheit: In Jenin, in Palästina, in Israel und überall auf dem Globus.


Assoziation Freunde des Jeniner Freedom Theatre in Deutschland


Arbeitskreis Nahost Berlin


BDS-Gruppe Berlin


Internationale Liga für Menschenrechte


Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost


Kritische Juden und Israelis in Deutschland



Wir bitten um Spenden zur Finanzierung der Anzeige


Assoziation Freunde und Freundinnen des Jeniner Freedom Theatre in Deutschland FFJT


KtoNr: 33 17 103 BLZ.: 100 205 00 Bank für Sozialwirtschaft


Stichwort: Anzeige


Sollte der eingehende Betrag höher sein als die Anzeigekosten, werden die Spenden für Stipendien an Studierende der Schauspielschule des Freedom Theatre verwendet.