Stellungnahme der Jüdischen Stimme für den 26. November, der Aktiontag gegen den Import israelischer Produkte

Die Jüdische Stimme unterstützt den Ruf der palästinensischen Zivilgesellschaft

Wir, die Mitglieder der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost (Jüdische Stimme) beobachten seit langem mit wachsender Sorge die Gewalt, mit der die israelische Regierung gegen die Kollektivrechte der Palästinenser verstößt. Angesichts von Ungerechtigkeit und Leiden sollen Menschen, die ein Gewissen haben, nicht  schweigen. Der ehemalige Erzbischof Desmond Tutu sagte, wenn man in Situationen des Unrechts neutral bleibt, hat man die Seite des Unterdrückers gewählt. Wir beanspruchen keine falsche Neutralität und haben uns entschieden, dem Ruf der palästinensischen Zivilgesellschaft nach ökonomischem Boykott zu folgen. (Palestinian Civil Society Call for BDS ).  Wir glauben, dass ökonomischer Druck die beste Methode ist, diejenigen zu irritieren, die durch die Besatzung der palästinensischen Länder, durch die  Diskriminierung gegen die Palästinenser und durch die Verweigerung deren Rückkehrrechte profitieren. Damit bringen wir unsere Solidarität mit dem palästinensischen Kampf um Freiheit und Gleichheit zum Ausdruck, und tun das unsrige, ihnen in der Stunde der Not zur Seite zu stehen.
Als Juden ist uns zutiefst bewusst, wie die israelische Regierung die jüdische Geschichte zynisch ausnützt, um ihre rassistische Politik zu rechtfertigen. Als Juden wollen wir klarstellen, dass wir keinen Wunsch nach einem Staat haben, in dem Juden mehr Rechte als alle anderen Gruppen haben, kein Bedürfnis haben nach einem ethnisch oder religiös begründeten sogenannten “Jüdischen Staat”.  Als Juden weigern wir uns, uns durch die israelische Regierung vertreten zu lassen und als  Vertreter des jüdischen Volks „in unserem Namen” sprechen zu lassen. Als Juden lehnen wir den Vorwurf völlig ab, dass der BDS antisemitisch ist.  Vielmehr halten wir die Idee, dass wir als Juden Israels gesetzwidriges Handeln bedingungslos unterstützen sollen, für verwerflich. Juden sind genauso wie jede andere Gruppe zur freien Meinungsäußerung berechtigt.
Als europäische Organisation ist uns unsere Verantwortung für die gegenwärtige Lage in Palästina allzu bewusst. Die europäischen Regierungen (und insbesondere die deutsche Regierung) unterstützen Israel mit massiver ökonomischer und militärischer Hilfe, im vollen Bewusstsein, dass Israel diese Hilfe benützt, um das ganze Land auf Kosten der einheimischen Bevölkerung zu beherrschen.Unsere Verantwortung ist es, dafür zu sorgen, dass unsere Regierungen sich weder an internationalen Menschenrechtsverletzungen noch an Vertreibung beteiligen, sei es direkt oder indirekt.  Wir schließen uns dem palästinensischen Ruf  an, israelische Produkte zu boykottieren und fordern Israel auf, das internationale Recht einzuhalten, die Besatzung zu beenden, die Gleichberechtigung all ihrer Bürger zu respektieren und  das Recht der palästinensischen Flüchtlinge  auf Rückkehr anzuerkennen.