Mordechay (Motek) Weinryb – Nachruf

Mordechay (Motek) Weinryb

Am 5. Oktober 2011 starb Motek Weinryb, Mitglied der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost.

Mordechay, den wir liebevoll Motek nannten, wurde am 26. Juni 1922 im kleinen Städtchen Zarki in Polen geboren. Schon sehr früh, mit 15 Jahren, schloß er sich dem Hashomer Hatzair, einer sozialistischen zionistischen Jugendorganisation, an.

Als die Faschisten 1939 in das Dorf kamen und die Juden zusammentrieben, versteckte sich Motek und beschloß sich nicht freiwillig den faschistischen Schergen zu ergeben. Motek nahm Kontakt zum Warschauer Ghetto auf und kämpfte im Czetochower Ghetto gegen SS und Wehrmacht.
Es folgt sein Leidensweg durch das Konzentrationslager Auschwitz, der Todesmarsch von Auschwitz nach Buchenwald, seine Typhuserkrankung und seine Befreiung im Lazaret in Theresienstadt.
Nach dem Krieg schlug er sich zu einem Kibutz von Hashomer Hatzair bei Rom durch, wo er sich auf die Ausreise nach Israel vorbereitete. Dort lernte er seine Frau Sahra kennen, heiratete sie und blieb mit ihr bis zu ihrem Tod 2003 zusammen. 1954 wurde die gemeinsame Tochter Bella geboren. Zuerst lebten sie in Israel, anschließend in der DDR und ab 1988 in Westberlin.

Motek hat sein Leben lang über seine Erlebnisse während der Zeit des Faschismus vor Jugendlichen in Polen und Deutschland gesprochen. Bis zum Schluss berichtete er als Zeitzeuge in seinem Städtchen Zarki über sein Leben. Im United States Holocoust Memorial Museum kann man über sein Leben nachlesen. In der Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannseekonferenz“ kann man sich Videos ansehen, in denen Mottek über sein Leben berichtet.

Schmerzlich waren für ihn die Ereignisse im Nahen Osten. Er litt sehr unter der dort herrschenden Ungerechtigkeit, was ihn folgerichtig in die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost geführt hatte.

Wir sahen ihn beim jährlichen Gedenken an die Fabrikaktion 1943. Wir feierten mit ihm den Schabbat und das Channukafest und sangen gemeinsam mit ihm jiddische Lieder. Noch zur langen Nacht der Wissenschaften am 28. Mai 2011 war er an der TU gemeinsam mit seiner Jiddish-Gruppe, hat dort über sein Leben und die jiddische Sprache gesprochen und mit uns jiddische Lieder gesungen.
Wir werden Mottek stets in liebevoller Erinnerung behalten! Wir haben viel von ihm erfahren und gelernt, was uns auf unserem Weg begleitet und uns in unserem Kampf für Gerechtigkeit und Frieden bestärkt.

Kate Katzenstein-Leiterer     Bärbel Wolterstädt