Theaterschaffende rufen zur Unterstützung des Freedom Theatre Jenin auf

Wie sieht die Zukunft in einem Käfig aus? Wie kannst du Gefühle ausdrücken, wenn du nicht weißt, mit wem du sie ausdrücken kannst? Was bedeutet es, an einem Ort aufzuwachsen, an dem andere deine Zukunft immer kontrollieren? Ein Ort, an dem die Schwachen keinen Platz in der Gesellschaft haben und der einzige Weg zu überleben ist, Stärke zu zeigen? Wer sind wir?“

Das Freedom Theatre aus dem Flüchtlingslager Jenin kommt wieder nach Deutschland. In ihrem neuesten Stück zeigen die jungen palästinensischen Schauspielschüler den Lebensrhyth- mus ihrer Generation im Zeichen von Besatzung und Gewalt – eine Realität, die reaktionäre Erklärungsmuster bestärkt und patriarchale innerpalästinensische Machtstrukturen verschärft.

In diesem Teufelskreis möchte das Freedom Theatre ein Ort sein, an dem der Einzelne die Wahl einer freien Entscheidung und einer eigenen politischen Haltung hat sowie Unrecht als Unrecht erkennt. Ein geschützter Raum, in dem Jugendliche mit den Mitteln der Dramatherapie die ei- gene Gesellschaft hinterfragen können. Oder im improvisierten Dorfzelt, in dem die ganze Ge- meinde an einem interaktiven Theatererlebnis teilhat: Das Publikum erzählt eigene Geschich- ten, die dann von Schauspielern und Musikern improvisatorisch inszeniert werden. Eine kraft- volle Art, gemeinsamen Kampf und Widerstandskraft zur Sprache zu bringen. Das Theater als sprichwörtliche Insel der Vernunft, der individuellen wie gesellschaftlichen und politischen Emanzipation.

Nach dem Mord an unserem Kollegen Juliano Mer Khamis, Gründer und Direktor dieser Bühne am Rande der Welt, setzen seine Weggefährten weiter auf die Ausstrahlungskraft des Theaters. Noch sind die Mörder nicht gefasst und Flugblätter kursieren, die gegen das Theater hetzen. Doch nach Monaten der Ungewissheit kehren sie, junge Schauspielschüler aus Jenin, palästi- nensische und auch jüdische Theaterschaffende in ihr Theater zurück. Doch gibt es in dieser Stadt – wie kaum eine andere durch Besatzung und Gewalt verwundet – noch Platz für einen Ort der künstlerischen und politischen Freiheit, für grenzüberschreitende Solidarität im Zeichen der Besatzung? Um die fragilen Verhältnisse wissend folgen sie dem Motto des Dichters Mah- mud Darwish, „unsere unheilbare Krankheit ist Hoffnung“.

Es gibt keine Alternative zu diesem Wagnis. Deshalb rufen wir gemeinsam mit der sozialmedizi- nischen Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international zur Unterstützung des Freedom Theatre auf, das den politischen Weg Juliano Mer Khamis weiter beschreiten möchte.

Unterzeichnet haben: Jean-Claude Berutti, Präsident & Christa Müller, General Secretary, European Theatre Conven- tion, Amelie Deuflhard, Intendantin, Kampnagel, Thomas Engel, Direktor, Zentrum Bundesrepu- blik Deutschland des Internationalen Theaterinstituts (ITI Deutschland / Theater der Welt), Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin & Vorsitzender der Intendantengruppe im Deut- schen Bühnenverein, Joachim Klement, Generalintendant, Staatstheater Braunschweig, Bettina Kocher & Ralf Classen, Kinderkulturkarawane, Anja Nioduschewski, Dramaturgin, Centralthea- ter / Schauspiel Leipzig, Thomas Ostermeier, Intendant, Schaubühne am Lehniner Platz, Tobias Pflug, Künstlerischer Leiter, Explosive! Festival 2011, Schlachthof Bremen, Peter Spuhler, Inten- dant, Badisches Staatstheater Karlsruhe

medico international fördert die Arbeit des Freedom Theatre in Jenin allein aus Spendenmitteln. Bitte unterstützen Sie diese Arbeit mit Ihrer Spende!

Spendenkonto 1800 Frankfurter Sparkasse BLZ 500 502 01

Das Spendenstichwort lautet: Israel/Palästina Mehr Informationen unter: www.medico.de/freedomtheatre