Die israelische Marine entert erfolgreich die Dignite / Al-Karameh

Müssen wir jetzt die israelische Marine beglückwünschen? Da hat die stärkste Militärmacht im Nahen Osten ein kleines Boot mit 13 Zivilisten und 3 Manschaftsmitglieder an der Weiterfahrt nach Gaza gehindert und in Israel wird das als großer Sieg gefeiert. Haben denn die Israelis das Schicksal des Einwandererschiffes EXODUS vergessen, der es zwar nicht gelungen ist nach Palästina zu kommen und die illegalen Einwanderer an der Küste abzuladen, deren Abschiebung aber die ganze Welt erreicht und enorme Sympathien für die Juden hervorgerufen hat. So hat diese Flottille zwar Gaza nicht erreicht, aber die Kunde um die brutale Verhinderung ging um die ganze Welt, und hat Sympathien für die eingesperrte Bevölkerung geweckt. Die Erinnerung an das Schicksal des Einwandererschiffes Exodus liegen assoziativ und makaber sehr nah. Die Exodus hat ihr Ziel auch nicht erreicht, es wurde vor der Küste Palästinas brutal von den Briten gestoppt und in den Hafen von Haifa geschleppt, wo die jüdischen Passagiere, Überlebenden der Nazilager, vor der Augen der Weltöffentlichkeit verprügelt und gedemütigt wurden. Das hat damals auch enorme Sympathien für die Juden erweckt und es wurde ein weiteres Mosaik bei der Vorbereitung der Gründung Israels. So könnte auch die brutale Zerschlagung der Flottille vor einem Jahr, mit 9 Toten als Ergebnis, die im Gedächtnis vieler Menschen noch lebendig ist und die perfide Verhinderung dieses Jahr, mit Hilfe der verzweifelten Griechen, ebenfalls ein Meilenstein bei der Ausrufung eines unabhängigen, freien Palästinas sein. Wenn da Israel noch von einem Sieg spricht und schreibt, dann zeigt es uns nur wie autistisch die Israelis sind, wie sehr sie das, was sie nicht sehen wollen auch tatsächlich nicht sehen.

Die gesamte Welt dürfte erneut sich mit dem Entern des Schiffes Dignite und der Verweigerung der Einreise vieler Aktivisten der 8-Juli-Aktion Gedanken über den demokratischen Charakter des israelischen Staates, der angeblich einzigen Demokratie im Nahen Osten, machen.

Die vielen undemokratischen Gesetze der letzten Monate, die Krönung dieser Gesetze mit dem Gesetz, der es Siedlern und anderen erlaubt jeden finanziell zu ruinieren, der zum Boykott der Waren aus den besetzten Gebieten aufruft. Immerhin hat dieses Gesetzt jetzt auch noch die letzten aufgeweckt, die noch Zweifel an der Radikalisierung der israelischen Politik hatten. Hunderte und tausende Israelis haben aus Protest jetzt erst Recht zum Boykott aufgerufen und es bleibt abzuwarten, wann die ersten Gerichtsverhandlungen stattfinden werden.

Wie solche Verhandlungen geführt und ausgehen werden, zeigt uns die Verhandlung bei der Abschiebung der deutschen Künstlerin Seyfried, die nach Israel nur einreisen wollte, um nach Palästina durchzufahren. Israel umklammert aber Palästina und die Palästinenser und lässt nicht nur diese nicht ausreisen oder sich frei im Land bewegen, sondern bestimmt auch noch wer diese Palästinenser besuchen darf und wer nicht.

Die Luftfahrt-Aktion, deren vermeintliche Verhinderung für rechtsgerichtete, nationalistische Israelis ein Sieg war, hat sich für die Aktivisten als Erfolg erwiesen, da alle Medien in der ganzen Welt darüber berichtet haben. Vor Gericht versuchte das Innenministerium nachzuweisen, dass es sich bei den meisten fast 7o Jahre alten Aktivisten um Terroristen der übelsten Sorte handelte, um Randalierer, die man des Landes schon deshalb abschieben muss, weil sie „Free Gaza“ gerufen haben. Und das israelische Rechtssystem knickt vor der Politik eines Avigdor Lieberman ein und vollendet das Trauerspiel, das brave Demokraten mit Entsetzen beobachtet haben.

Was ist aus dieser Demokratie geworden, die friedliche Menschen mit drakonischen Strafen begegnet, nur weil diese Freiheit und Menschenwürde für ein Volk fordern, das die Israelis schon seit über einem halben Jahrhundert unterdrück, beraubt und schließlich auch immer wieder tötet. Im Augenblick sieht es so aus, als ob Israel durch einen Knockout gesiegt hat, aber sehr bald werden auch die blinden und tauben Israelis merken, dass es ein Pyrrhussieg war und die Warnung von Gershom Sholem aus dem Jahre 1972 über Israel wie ein Damoklesschwert schwebt: Mit dieser Politik, die leider schon Jahrzehnte andauert, wird sich Israel am Ende zu Tode siegen.

Israel hat sich vor angeblichen „Hooligans“ und solchen, die „das Existenzrecht Israels in Frage stellen wollen“, wie es in israelischen Zeitungen zu lesen war, zwar geschützt, aber an die Glaubwürdigkeit solcher Vorwürfe verloren. Die Instrumentalisierung der israelischen Gesetze zu Gunsten der Verankerung der Besatzung wird der Weltöffentlichkeit immer deutlicher. Als Juden, die dagegen sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als immer wieder zu betonen, dass Israel nicht in unserem Namen handelt, dass wir aber auch nicht aufgeben werden dagegen zu kämpfen.

Israels ehemaliger Verteidigungsminister Moshe Ahrens schreibt in der Haaretz von heute: „Nachdem klar wurde, dass Israel die beiden ersten Angriffswellen überwunden hatte, wandten sich seine Gegner in eine andere Richtung. Diesmal handelt es sich um einen weltweiten Angriff mit dem Ziel, die Legitimität des Staates Israel in Frage zu stellen, es zu einem Paria-Staat zu machen. Und dieser Angriff nimmt an Fahrt auf.“ Wir lehnen diese Paranoia ab, sie ist auf dem besten Weg Israel zu zerstören. Netanjahu hat sich mit den rechtsradikalen „Christen für Israel“ verbrüdert. Bei solchen Freunden braucht man keine Feinde mehr zu haben. Wenn diese unglückselige Politik nicht bald gestoppt und umgekehrt wird, wird es bald nichts mehr geben, wofür es sich lohnen würde einzusetzen. Es ist höchste Zeit, dass Israel aufwacht, bevor es zu spät sein wird.

Unser Kamerad Dror Feiler war an Bord des kleinen Schiffes, das heute von der israelischen Marine geentert worden ist. Wir bewundern Dror´s Mut und hoffen, dass er heil wieder zurückkommt. Wir werden aber sicher wieder nach Israel zurückkommen und wenn wir dieses Jahr nicht durchgekommen sind, dann werden wir es nächstes Jahr wieder versuchen, oder in zehn Jahren.

We shall overcome one day.

Abi melzer

Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.