Pressemitteilung: Israel gegen den Rest der Welt

Als Jüdische Stimme für Frieden im Nahen Osten protestieren wir gegen die Ablehnung der deutschen Regierung, Palästina als Mitgliedstaat der UNESCO aufzunehmen und verurteilen in aller Schärfe ihre Duldung einer zunehmend verheerenden und gefährlichen Politik Israels, eine Politik der Kriegsdrohungen gegen Iran.

Es gibt offensichtlich Konflikte, die man mit Verhandlungen und Gesprächen nicht lösen kann, wenn einer der Partner nicht an einer friedlichen Lösung interessiert ist. Schon wieder schaut die übrige Welt zu, diesmal, wie sich Israel immer mehr in eine Lage begibt, wie seinerzeit die USA,  in der am Ende der Wunsch der Vater des Gedankens sein wird und sich die Kriegsdrohung gegen den Iran in einen tatsächlichen Krieg verselbstständigt, wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Es gilt jetzt, Israels gefährlicher und absolut völkerrechtswidriger Politik endlich Einhalt zu gebieten, freilich nicht mit verlogenen und heuchlerischen Worten, sondern mit wirksamen Taten. Es müssen Sanktionen benannt werden, die auch in die Tat umgesetzt werden, wenn die selbstherrlichen Politiker in Jerusalem  internationales Recht wieder ignorieren und der Welt die kalte Schulter zeigen.
Eine Israel-freundliche Regierung ist verpflichtet, als echte und ehrliche Freundin einem irregeleiteten und von der eigenen Macht „berauschten“ Freund zu helfen, indem man ihn auch ernsthaft und eindringlich warnt, und wenn es sein muss, ihm die Mittel entzieht, mit denen er Unheil anrichten könnte. Noch kann das schwer gerüstete Israel dem Iran drohen und die Palästinenser bestrafen, weil es immer noch von der westlichen Welt unterstützt wird, ganz besonders von den USA und Deutschland. Wir fordern unsere Bundesregierung daher auf, nicht auf die falschen Freunde Israels zu hören und sich umgehend um diesen Brandherd zu kümmern statt noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, durch die Lieferung weiterer Atom U-Boote oder durch die Weigerung, einen freien und unabhängigen Staat Palästina anzuerkennen.
Man kann sich  nicht einerseits für eine Zweistaatenlösung einsetzen und andererseits den palästinensischen Staat nicht anerkennen wollen. Die Aussage, der Antrag auf Aufnahme in die UN sei „einseitig“, ist zynisch und absurd, denn erstens liegt es in der Natur der Sache, dass man solche Entscheidungen selber, also einseitig, trifft und zweitens sind wir doch Tag für Tag Zeugen von einseitigen Entscheidungen der israelischen Regierung, die den Frieden und die Sicherheit in der Welt mehr gefährden, als der friedliche „einseitige“ Antrag der Palästinenser auf Anerkennung ihrer politischen Autonomie. Die Gründung des Staates Israel im Mai 1948 war schließlich auch ein einseitiger Akt, mit dem die arabischen Nachbarn auch nicht einverstanden waren.
Wir überlassen es unseren Freunden von der Jewish Voice for Peace, in Amerika zu protestieren; hier, in Deutschland, wollen wir aber unsere jüdische Stimme erheben und klar und deutlich sagen, dass Israels Regierung nicht in unserem Namen handelt und nicht im Namen aller Juden in der Welt und auch nicht im Namen aller Juden in Israel. Auch in Israel bildet sich inzwischen ein immer breiter werdender Widerstand gegen diese Politik der Unterdrückung eines anderen Volkes, der nicht-Akzeptanz demokratischer Entscheidungen, wie unlängst in der UNESCO und der Vorbereitung eines Krieges, der nicht nur den Nahen Osten, sondern sicherlich auch Europa und vielleicht die ganze Welt in eine Katastrophe hineinkatapultieren könnte..Ignaz Wrobel schrieb am 27. März 1928 in der Weltbühne von Carl von Ossietzky folgende Zeilen, die auch heute noch für alle gelten:  „Wir halten den Krieg für ein Verbrechen, und wir bekämpfen ihn, wo wir können, wann wir können, mit welchen Mitteln wir können. Wir sind Landesverräter. Aber wir verraten einen Staat, den wir verneinen, zugunsten eines Landes, das wir lieben, für den Frieden und für unser wirkliches Vaterland: Europa.“Dem können wir nichts mehr hinzufügen, außer: Die Feindschaft gegenüber den Palästinensern und die Kriegsdrohungen gegenüber dem Iran geschehen nicht in unserem Namen.

Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost

Berlin, 7. November,

2011Greifswalderstr. 410405 Berlin

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