Aufruf zum Boykott aller pro-israelischen Veranstaltungen der Leipziger Buchmesse 2015

„1965 bis 2015. Deutschland – Israel.“

Unter diesem Motto zelebriert die diesjährige Leipziger Buchmesse das 50. Jubiläum der nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Völkermord an den Juden eingeleiteten diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel. Der Messeschwerpunkt wird von der Botschaft des Staates Israel in Deutschland und dem Club Bertelsmann in Zusammenarbeit mit deutschen Verlagen und weiteren Partnern organisiert. Die Leipziger Buchmesse und die Stadt Leipzig unterstützen das Programm. Dem Vernehmen nach werden zahlreiche israelische Autoren „im Rahmen des Schwerpunktes ihre jüngsten ins Deutsche übersetzten Werke in Leipzig vorstellen. Sie erzählen vielfältige Geschichten über Familien oder die Liebe in Zeiten dramatischer politischer Entwicklungen. Im Bereich Sachbuch stehen Bücher zu Geschichte und Gesellschaft beider Länder ebenso auf dem Programm wie Autobiografien und Essaybände.“

Fünf Gründe für den Boykott aller pro-israelischen Veranstaltungen der Leipziger Buchmesse 2015

1. Die Jüdische Stimme (JS) unterstützt den von 170 zivilgesellschaftlichen Organisationen im palästinensischen Westjordanland – einschließlich Ostjerusalem – und Gazastreifen an die internationale Öffentlichkeit gerichteten Aufruf zu Boykott, Des-Investition und Sanktionen (BDS), solange Israel die Besatzung der im Juni-Krieg 1967 eroberten Territorien aufrechterhält, der palästinensischen Bevölkerung die Grund- und Menschenrechte versagt und tagtäglich geltendes Internationales Recht verletzt.

2. Die Leipziger Buchmesse wird vom Außenministerium Israels mitfinanziert. Der Botschafter Israels in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsmann wird als Ehrengast sprechen. Er vertritt ein Land, das für jüdische und nicht-jüdische Bürger zweierlei Rechtssysteme festschreibt, die einheimische palästinensische Bevölkerung ausgrenzt und sich durch diskriminierende Gesetze als Apartheidstaat manifestiert.

3. Es wurden 17 israelische Autoren eingeladen, Israel und die Beziehungen zu Deutschland auf der Buchmesse zu repräsentieren. Darunter wird nur ein einziger israelischer Palästinenser sein, obwohl die palästinensischen Araber über 20% der israelischen Bevölkerung ausmachen. Auch einschlägige Themen der benachteiligten arabischen Juden – immerhin die Mehrheit im Lande – sind offenbar nicht präsentabel. Das israelische Außenministerium wünscht den Staat als jüdisch und europazentriert zu demonstrieren. Es ist mehr als bedauerlich, dass die Organisatoren einer Buchmesse in Deutschland solchen Botschaften der Ausgrenzung kommentarlos folgen.

4. Erst unlängst tat die israelische Regierung selber ihr Bestreben kund, durch Förderung und Finanzierung kultureller Ereignisse und Unternehmungen Zustimmung zu ihrer Politik zu erheischen. Die Leipziger Buchmesse ist ihr daher ein willkommenes Ereignis, die Besatzung der palästinensischen Territorien und die Missachtung des Völkerrechts zu legitimieren.

5. Die Buchmesse zelebriert 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Gänzlich ausgeblendet bleibt dabei die Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland auf das Internationale Rechtsystem und das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Volkes. Palästinensern steht das Recht auf Selbstbestimmung zu. Erst 2012 lehnte es die Bundesrepublik Deutschland in der UNO ab, für die Anerkennung Palästinas zu stimmen. Diese scheinheilige Haltung macht unmissverständlich klar, dass Israel von Deutschland nie uneigennützig als unabhängiger Staat anerkannt, sondern stets instrumentell als Kolonialmacht in Vertretung des Westens hofiert wurde. Nicht zuletzt im eigenen deutschen Interesse und allemal auf Kosten der menschenwürdigen Existenz der Palästinenser.

 
Berlin 6. März 2015
Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost

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